Die A1-Bescheinigung weist nach, in welchem Land eine Person sozialversichert ist. Wer als Montageteam ins EU-Ausland fährt, braucht sie für jede mitfahrende Person — auch für einen einzigen Tag. Sie muss bei einer Kontrolle vor Ort vorliegen, nicht im Büro. Beantragt wird sie elektronisch, und sie braucht Vorlauf. Entscheidend ist aber: Die A1 allein reicht nicht. Fast jedes Zielland verlangt zusätzlich eine eigene Entsendemeldung vor dem ersten Arbeitstag — SIPSI in Frankreich, ZKO in Österreich, Limosa in Belgien. Wer nur die A1 dabeihat, ist nicht vollständig gemeldet.
Dieser Artikel gibt eine Orientierung aus der Montagepraxis. Er ist keine Rechtsberatung, und die Meldevorschriften ändern sich regelmäßig. Vor jedem Einsatz beim aktuellen Stand nachsehen.
Die A1 belegt eine einzige Sache: dass die Person weiterhin im Heimatland sozialversichert ist und nicht im Einsatzland versichert werden muss.
Was sie nicht ist:
Der häufigste Irrtum lautet: „Wir haben A1, also ist alles geregelt." Das ist falsch. Die A1 ist die Grundlage, nicht das Paket.
Für jede Person, die mitfährt. Der Geselle, der Aushilfsmonteur, der Chef, der nur kurz vorbeischaut. Jeder braucht eine eigene.
Für jeden Einsatz. Auch für einen einzigen Tag. Es gibt keine Bagatellgrenze.
Auch für Selbständige. Wer als Einzelunternehmer ohne Angestellte fährt, beantragt eine A1 für sich selbst.
Pro Land. Führt ein Einsatz durch mehrere Länder oder in mehrere Länder nacheinander, muss das abgedeckt sein.
Der Antrag läuft elektronisch — über das Entgeltabrechnungsprogramm oder das SV-Meldeportal, gerichtet an die zuständige Krankenkasse. Selbständige beantragen bei der Stelle, die für ihren Versicherungsstatus zuständig ist. Ein Papierantrag ist nicht mehr zulässig.
Der Punkt, an dem es in der Praxis klemmt: Die A1 kommt nicht sofort. Wer am Freitag für Montag beantragt, hat sie am Montag in der Regel nicht.
Bei einem geplanten Rollout ist das kein Problem — da stehen die Termine Wochen vorher fest. Bei einer kurzfristigen Anfrage ist es der Grund, warum ein Team abgesagt wird. Wer regelmäßig ins Ausland fährt, beantragt vorausschauend, sobald der Auftrag steht, nicht wenn das Fahrzeug beladen wird.
Bei einer Kontrolle muss die A1 vor Ort vorliegen — auf Papier oder digital abrufbar. Ein Ordner im Büro nützt niemandem, wenn die Kontrolle auf der Baustelle steht.
Was passiert, wenn sie fehlt: Bußgelder treffen in der Regel den Arbeitgeber. Aber das eigentliche Problem ist ein anderes — der Einsatz kann gestoppt werden. Dann steht das Team, der Auftraggeber hat eine leere Fläche, und der Termin platzt. Das ist der Grund, warum Auftraggeber diese Papiere abfragen, bevor sie einen Auftrag vergeben.
Hier liegt der eigentliche Aufwand. Die Meldeportale heißen überall anders, und die Fristen sind unterschiedlich.
Frankreich. Entsendemeldung über das Portal SIPSI, vor Beginn der Tätigkeit. Zusätzlich muss ein Vertreter in Frankreich benannt werden, der bei einer Kontrolle erreichbar ist und Französisch spricht. Bei Bauleistungen — dazu zählt der Innenausbau — kommt die Carte BTP dazu: ein personenbezogener Berufsausweis, der auf der Baustelle mitgeführt werden muss. Sie wird nach der SIPSI-Meldung beantragt und gilt für entsandte Beschäftigte fünf Jahre.
Österreich. ZKO-Meldung vor Arbeitsaufnahme, elektronisch beim Bundesministerium für Finanzen. Es gibt keine Mindestdauer — auch ein kurzer Einsatz ist meldepflichtig. Bei wiederholten Einsätzen für denselben Auftraggeber sind Rahmenmeldungen möglich. Wer nicht meldet, riskiert empfindliche Bußgelder.
Schweiz. Meldeverfahren über ein Online-Portal. Im Baugewerbe ist ab dem ersten Tag zu melden — die sonst geltende Acht-Tage-Regel greift dort nicht. Zusätzlich gilt ein Kontingent von 90 Arbeitstagen pro Kalenderjahr. Die Voranmeldefrist ist einzuhalten; kurzfristige Einsätze sind hier besonders heikel.
Belgien. Meldung über Limosa. Die Limosa-1-Bescheinigung muss dem belgischen Auftraggeber vorgelegt werden können, bevor die Arbeit beginnt.
Luxemburg. Anmeldung über die Plattform e-Detachement bei der Gewerbeaufsicht ITM.
Niederlande, Italien, Dänemark und andere haben jeweils eigene Systeme mit eigenen Fristen.
Eine EU-weit einheitliche Meldeplattform ist in Arbeit, aber sie ersetzt die nationalen Pflichten noch nicht. Vor jedem Einsatz prüfen, was gerade gilt.
Klare Antwort: Der Arbeitgeber entsendet seine eigenen Leute. Wer Personal beschäftigt, meldet dieses Personal. Als Subunternehmer meldet ihr eure Monteure — nicht euer Auftraggeber.
Das hat einen einfachen Grund: Nur ihr habt die Daten. Namen, Sozialversicherungsnummern, Verträge, Lohnabrechnungen. Kein Auftraggeber kann das für euch tun, und keiner darf es.
Was das für euch heißt: Bei einer Auslandsanfrage gehört die Frage nach A1 und Meldung in eure eigene Kalkulation — Zeit, Vorlauf, Aufwand. Wer das erst merkt, wenn der Auftrag angenommen ist, hat entweder ein Zeitproblem oder ein Rechtsproblem.
Diese Liste gibt es als PDF zum Abhaken — Checkliste Auslandseinsatz herunterladen.
Bei einer Kontrolle hängt am Papier der ganze Einsatz. Fehlt es, kann das Team von der Baustelle verwiesen werden — und dann steht die Fläche, und der Termin des Auftraggebers platzt. Hinzu kommt, dass Auftraggeber bei Bauleistungen in mehreren Ländern für ihre Subunternehmer mit in der Verantwortung stehen.
Für Montageteams ist das eine Chance. Auslandsaufträge sind die, bei denen es am häufigsten an den Papieren scheitert. Wer A1 und Meldung im Griff hat und kurzfristig einsatzbereit ist, wird für diese Projekte zuerst angefragt.
Tragt euch ein — mit Gewerk, Region, Teamgröße und Verfügbarkeit. Wenn ein Auftrag passt, melden wir uns.
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