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Für Auftraggeber

Wenn die Baustelle nicht fertig ist — was man vorher klären kann und was vor Ort entschieden wird

20.08.2026 · Manuel Emig

Ladenfläche im Umbau: fertige Einbauten neben unfertiger Baustelle

In unserem Geschäft gibt es zwei Arten von Verzögerung. Beim größeren Einzelprojekt kommen wir an, und die anderen Gewerke sind noch nicht durch. Beim Rollout sind die Standorte klein, dafür wiederholen sich die Fehler an jedem Standort. Beides kostet Geld und Nerven, und man geht unterschiedlich damit um.

Gemeinsam ist beiden: Man kann vieles vorher durchdenken, aber nicht alles ausschließen. Wenn es dann passiert, kommt es weniger auf den besten Handwerker an als auf ein Team, das vor Ort schnell und pragmatisch entscheidet und zu einem guten Ergebnis kommt — für den Auftraggeber, für den Markt und für uns.

Teil A — Das Einzelprojekt: Wenn die anderen Gewerke noch nicht durch sind

Ein Beispiel von uns. Ein Flagship-Store in der Bretagne, ein guter Plan, ein sauber vorbereiteter Aufbau. Wir fahren hin, rund 1.500 Kilometer von zu Hause. Vor Ort ist der Markt nicht fertig — so weit nicht fertig, dass unser Aufbau nicht anfangen kann.

Dann steht man mit dem Team da und hat zwei Möglichkeiten. Warten, drei oder vier Tage vielleicht, ohne dass einem jemand sagen kann, ob diese Angabe stimmt. Oder zurückfahren, mit allem, was das an Fahrzeit und Folgeterminen kostet.

Wir haben eine dritte gefunden. Sie hing daran, dass wir vor Ort auf Französisch mit dem Shopbetreiber klären konnten, was sinnvoll ist: Wo können wir parallel arbeiten, welche Bereiche gibt der Innenausbau frei, in welcher Reihenfolge, wer entscheidet vor Ort. Das Projekt wurde fertig. Es hat Extrakosten verursacht und ein Folgeprojekt verschoben, aber es ging.

Was man aus dem Fall lernt, ist nicht spektakulär. Ob eine Fläche montagebereit ist, wissen wir vorher nicht. Wir haben keinen Kontakt zum Betreiber der Fläche und prüfen den Baustellenstand nicht selbst; das ist nicht unsere Rolle, und unsere Auftraggeber, die Ladenbauer und Hersteller, wollen das auch nicht anders. Was wir tun können, ist die Frage rechtzeitig zu stellen: eine Woche vorher beim Auftraggeber nachfragen, ob die Vorgewerke am Starttag fertig sind — verbindlich, mit der Frage, was am Montag fertig ist und wer das garantiert.

Nicht jede solche Situation lässt sich vermeiden. Auf Baustellen sind Leute optimistisch, sie haben einen Zeitplan, den sie einhalten wollen, und dann kommt ein Handwerker nicht. Das haben wir ständig, und das muss man berücksichtigen. Aber manches lässt sich ausschließen, und wenn es doch passiert, muss man vor Ort die bestmögliche Lösung finden. Das ist Standard bei uns, nichts Außergewöhnliches.

Was wir vor größeren Einzelprojekten deshalb mit unserem Auftraggeber klären:

Ob die Vorgewerke am Starttag fertig sind — Boden, Decke, Elektro, Maler, Klima — und wer das zusagt. Wer vor Ort für den Auftraggeber entscheiden darf, wenn umdisponiert werden muss. Welche Bereiche wir notfalls parallel bearbeiten können, wenn ein Gewerk hängt. Und dass Wartezeit vor Ort und eine Rückfahrt Kosten sind, die dann nicht bei uns liegen. Diesen letzten Punkt schreiben wir in Angebot und Auftragsbestätigung.

Teil B — Der Rollout: Die kleinen Dinge, die sich multiplizieren

Beim Rollout über viele Standorte ist selten ein Gewerk das Problem. Es sind Kleinigkeiten, und sie kommen wieder. Was wir ständig sehen: Vor Ort weiß niemand, wo das Material angeliefert wurde. Teile fehlen. Niemand weiß, wer die Abnahme unterschreibt. Der Plan stimmt nicht, weil das Aufmaß falsch war, oder weil sich seitdem etwas an der Fläche geändert hat und niemand daran gedacht hat, den Ladenbauer zu informieren. An einem Standort kostet so etwas eine halbe Stunde. Über einen ganzen Rollout summiert es sich zu Tagen.

Deshalb gehen wir vor jedem Einsatz eine feste Liste mit unserem Auftraggeber durch; intern nennen wir das Vortag-Check. Nicht wir fragen im Markt nach, sondern der Auftraggeber bestätigt uns die Punkte: Aufmaß und Pläne stimmen mit der Fläche überein. Das Material ist vollständig am Standort, gegen den Lieferschein geprüft, einschließlich Kleinteile. Zugang, Schlüssel und Alarm sind geregelt, mit einem Namen und einer Nummer, die zu dieser Uhrzeit erreichbar ist. Strom, Licht, Wasser und Entsorgung sind vorhanden. Der Betrieb weiß Bescheid, die Marktleitung ist informiert, die Bereiche sind freigeräumt. Ein Ansprechpartner darf entscheiden. Die Abnahme ist geregelt, mit Protokoll und Fotos.

Dazu kommt unser Grundsatz für jede Rolloutplanung: nicht auf Kante planen, überall etwa 20 Prozent Puffer. Die Teams sind nicht langsam, aber die Liste oben stimmt nie zu hundert Prozent. Ein Plan ohne Puffer kippt bei der ersten Abweichung, und über viele Standorte kommt die Abweichung sicher.

Was beides verbindet

Vorher durchdenken, was sich durchdenken lässt: beim Einzelprojekt die Frage an den Auftraggeber nach den Vorgewerken, beim Rollout die kurze Liste am Vortag, die der Auftraggeber bestätigt. Und dann vor Ort flexibel bleiben und entscheiden — schnell, pragmatisch, kostenbewusst, so dass am Ende alle zufrieden sind. Daraus entsteht Erfolg. Erfolg heißt für uns: Das Projekt wird trotz der Widrigkeiten erfolgreich ausgeführt. So definieren wir das.

Mehr zu unserer Arbeitsweise: Roll-out-Montage · Läden & Boutiquen · Auslandsmontagen. Zum Weiterlesen: Rollout-Montage planen · Montage in Frankreich: typische Fehler.

Manuel Emig, Emig Ladenbau GmbH — Montagepartner für Ladenbau und Innenausbau.


Über den Autor: Manuel Emig, Geschäftsführer der Emig Ladenbau GmbH, Wald-Michelbach. Montagepartner für Ladenbau & Innenausbau seit 2004 — eigene Monteure plus koordiniertes Netzwerk, Einsätze in Deutschland, Frankreich und Europa.

Dieser Beitrag entstand aus der Praxis unserer Projekte, zuletzt geprüft im August 2026.

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